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Ein Jahresrückblick? Nein, eine Vorschau!

Tach miteinander,

 

Das Jahr ist fast vorüber. Überall finden wir nun Jahresrückblicke und die gesammelten Werke der meistgelikten Fotos, der am häufigsten kommentierten Threads und all das, was das Jahr ausgemacht hat. Zumindest so weit, wie man es in der virtuellen Welt zeigen kann und möchte. ;) 

Seltsamerweise ist mir nur sehr bedingt danach, mich dem anzuschließen. Und das liegt keineswegs daran, dass ich ein schlechtes Jahr hinter mir hätte. Ganz im Gegenteil: Ich kann zufrieden sein. Sowohl privat als auch beruflich, auch wenn ich im Fall von Letzterem manche Entwicklung mit Sorge und ehrlich gesagt auch einigem Kopfschütteln betrachte. Aber darum soll es hier nicht gehen. Und zwar ganz bewusst nicht!

 

Der Grund ist folgender: 2019 - und wahrscheinlich schon länger - sind mir immer wieder zwei Baustellen aufgefallen. Zwei Punkte, über die ich viel nachgedacht habe und die mich zu Schlussfolgerungen geführt haben, die ich hoffentlich erfolgreich nach 2020 tragen werde. 

Zum einen stoße ich mich zunehmend an der um sich greifenden Negativität, die einem allgemein, aber auch besonders im Internet entgegen schlägt. Mir geht es jetzt nicht um politische Problemstellungen, Umweltkatastrophen oder Terroranschläge. Wenn wir die nicht mehr als "schlimm" oder wenigstens "ernst" wahrnehmen würden, hätten wir ein großes Problem.

Nein, es geht mir um die negative Grundstimmung, die sich mehr denn je zu verbreiten scheint. Alles ist doof, alles ist schlimm, alles ist ätzend und alles ist ungerecht. 

Natürlich ist mir bewusst, wie dieser Eindruck entsteht und dass er bis zu einem gewissen Punkt ein Zerrbild ist. Gerade das Internet ist ein wunderbares Ventil, um seinen Frust einfach mal rauszuschreien. Das soll auch bitte jeder genau so machen, wie er möchte.

Aber ich für meinen Teil möchte aus diesem Konstrukt ausbrechen, weil ich merke, dass es mir eben nicht gut tut. Weil es einfach zu viel Input ist und der mich aus den unterschiedlichsten Gründen runterzieht oder anstrengt. Für mich bedeutet das also zukünftig: mehr innerliches und äußerliches Filtern, aber vor allen Dingen selbst ein bisschen mehr Licht - oder kuschelige Dunkelheit, je nach Vorliebe *g* - in die Welt bringen. 

Ich will die Scheißtage, die wir alle haben, keineswegs unter den Tisch kehren. Ich will nur die guten Tage dagegenstellen. Die vielen, vielen herrlichen Momente, die man über das Jahr hat. Egal, wann, egal, wo. Einfach, weil eben nicht alles doof, schlimm und ätzend ist. 

Dann hat man auch wieder Kraft für die Baustellen, an die man wirklich dran muss. Und das bringt mich zu meiner anderen Überlegung: 

 

Ich werde nächsten August vierzig Jahre alt. Ich habe in meinem Leben einiges erreicht, was glücklich macht. Das nehme ich nicht selbstverständlich, schon gar nicht, weil ich nicht die besten Startbedingungen hatte.

Aber wenn ich mich heute umsehe, bin ich mehr als zufrieden. Ich bin seit fast zwanzig Jahren mit einem Mann zusammen, der mir die Welt bedeutet, ich habe wundervolle Freunde, eine Familie, die nach manchen Rangeleien tatsächlich eine Einheit bildet, lebe meinen Traum vom Haus auf dem Land und darf schreiben und übersetzen, um Geld zu verdienen.

Selbst dass ich nicht zu 100 Prozent gesund bin und nie sein werde, ist in Wirklichkeit ein Gewinn. Nicht, weil ich nicht gern diese 100 Prozent hätte, sondern weil ein verdammt großer Unterschied zwischen "na, ziemlich fit" und "besorgniserregend unfit" ist. (Drücke ich mich verständlich aus?)

Trotzdem gibt es Träume, die ich mir bisher aus verschiedensten Gründen nicht erfüllen konnte. Manches war logistisch einfach nicht machbar, anderes finanziell jenseits von Gut und Böse.

Aber ich habe auch immer wieder mal Träume und Wünsche aufgegeben, weil mir zum jeweiligen Zeitpunkt schlicht die Kraft fehlte. Völlig egal, wohin sie damals verschwunden war und ob ich sie aus gutem Grund oder aus Dummheit verschleudert habe, am Ende hat sie mir gefehlt.

Das möchte ich nicht mehr. 

Ich habe zum Beispiel vor ein paar Wochen unsere CD-Sammlung durchgeschaut und überlegt, welche Bands ich live gesehen habe oder gern live sehen würde - und bei welchen ich meine Chance vertan habe, weil sie nicht mehr existieren oder der Sänger tot ist usw. 

Und ich habe mich unendlich geärgert! Weil ich in vielen Fällen noch genau weiß, WARUM ich sie nicht gesehen habe und es war immer derselbe Grunde: weil ich damals den Hintern nicht hochbekommen habe und dachte, dass sich die Gelegenheit später schon noch mal bieten wird. Doch manche Gelegenheiten verpuffen und kehren nicht zurück. Und für Zeit gilt dasselbe. 

Deshalb: 2020 wird für mich bedeuten, netter mit meinen eigenen Akkus umzugehen, damit sie halbwegs voll sind, wenn sich Reisen oder Konzerte oder andere schöne Ereignisse anbieten.

Und ehrlich? Das wird zusammen mit Punkt 1 ein paar gewaltige Umstellungen nach sich ziehen. Unter anderem die Fähigkeit, "Nein" zu sagen, bevor ich auf dem Zahnfleisch krieche. Und da bin ich echt mies drin. *seufz* 

 

So, und wem jetzt nach diesem Sermon aufgefallen ist, dass ich nichts zum Schreiben gesagt habe, dann liegt das daran, dass alles beim Alten bleibt. *g* 

Ich schreibe, ich veröffentliche, ich habe wie üblich mehr Ideen in der Pipeline, als gut für mich ist, und damit wiederhole ich mich so sehr, dass ich mir allmählich wie eine Schallplatte vorkomme. Und ist das nicht ganz wunderbar? Dass dieser Plan einfach schon steht und kein Ende in Sicht ist? 

Das ist definitiv ein dicker Punkt für die Positivliste! 

 

Euch allen wünsche ich an dieser Stelle eine gute Reise nach 2020. Ich hoffe, in Leipzig den ein oder anderen von euch sehen zu können und überhaupt immer, von euch zu hören. Lasst euch nicht die Laune verhageln, ich versuche dasselbe. :D 

GLG
Raik 

 

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Piccolo (Samstag, 28 Dezember 2019 17:52)

    Hallo Raik,

    ein sehr intensiver Einblick, den du uns hier gewährt hast und den ich für mich auch etwas sacken lassen muss. Denn vieles trifft einfach nur genau ins Schwarze.

    Auch dir wünsche ich eine gute Reise ins Jahr 2020.

    LG Piccolo

  • #2

    Krümel (Mittwoch, 01 Januar 2020 11:10)

    Hallo Raik,

    ein gutes neues Jahr wünsche ich Dir, in dem besser wird, was besser werden kann und alles andere perfekt weiter läuft. Und positives Denken sollte eh die Grundeinstellung sein, sonst ist doch das Leben so grau wie gerade die Suppe da draußen vor meinem Fenster ;-) .

    In diesem Sinne auch noch 1000 Dank für anderthalb wundervolle Tage auf dem Sofa mit Kjell, Ciaran und Silvius! :-D

    Lieben Gruß
    Krümel

  • #3

    Peter (Dienstag, 14 Januar 2020 20:52)

    Hallo Raik!
    Im Moment lese ich den 3. Roman von Dir und habe wieder das Gefühl, das ich nicht zu lesen aufhören kann. Vieles ist so nah am Leben dran, die Erotik so sanft und einfühlsam geschrieben, einfach toll. Danke, dass Du uns Deinen Blick auf die Welt in Bücherform schenkst. Ich bin auf Dich durch Zufall gestossen, in dem Buchladen Prinz Eisenherz/Berlin. Dank diesem Zufall habe ich jetzt unterhaltsame Stunden, auch spannende und manchmal sogar lustvolle mit Deinen Büchern. Mach weiter, bitte!
    Vielen Dank für alles!
    Peter

  • #4

    Raik (Dienstag, 14 Januar 2020 21:05)

    Hi ihr Lieben,

    ich merke gerade, dass hier Kommis aufgelaufen sind. :)
    @Piccolo: Hmhm. Ich glaube, ich komme jetzt in das Alter, in dem man zunehmend mehr einen Buckel macht und das Leben anders ausrichtet. Einfach, weil die Erfahrung gezeigt hat, dass es anders sowieso nicht geht. Und bisher fahre ich da dieses Jahr ziemlich gut mit, auch wenn ich vor lauter Positivpläne schon ein halbes Magengeschwür habe. Reiseplanungen sind anstrengend! :D

    @Krümel: *lach* Eineinhalb Tage, ja? Zehn Jahre und ihr fräst euch so schnell durch. Aber egal: Hauptsache, ihr seid glücklich. Ich bin es auf jeden Fall auch.

    @Peter: Huhu und vielen herzlichen Dank für deine nette Rückmeldung und die Unterstützung. :) Schön zu hören, dass du bei den Eisenherzlern auf mich gestoßen bist. Ich freu mich immer, wenn ich merke, dass die Buchläden nach wie vor Unterstützung finden und eben auch wirklich ermöglichen, dass Leser sich vor Ort umschauen und mal in ein Buch reinschnüffeln - und vllt wie in diesem Fall etwas für sich entdecken.
    Ans Aufhören denke ich nicht mal. ;) Die nächsten vier Romane stecken schon in der Pipeline. Also bin ichd ir noch ein Stück voraus. :D
    Viel Spaß weiterhin

    und liebe Grüße euch allen!
    Raik

  • #5

    Nachtleserin (Montag, 27 Januar 2020 11:47)

    . . . lese gerade das "Würfelspiel. . . " und bin immer nich begeistert vom "Zenianischen Lotus" und "Anno...".
    Wenn ich nachts auf meiem "kindle" etwas Neues von Ihnen entdecke, dann ist die Nacht gelaufen...beisher habe ich alles!!! gelesen.
    Am meisten beeindruckt hat mich die Welt vom "Lotus" und besonders "Anno Domini". . . das wäre doch noch ausbaufähig(er)?
    Allein die Idee der wiederbelebten Herrscherhäuser ist nur genial.
    Auf jeden Fall - herzlichen Dank für die nächtlichen Ausflüge in andere Welten. . . ich träum so gern. . .

  • #6

    Raik (Dienstag, 28 Januar 2020 11:52)

    Hi Nachtleserin,

    schön, dass du deinen Weg hierhergefunden hast. =) Und natürlich erst recht, dass die nächtlichen Wanderwege zu meinen Büchern geführt haben. ;)
    Vielen Dank an dieser Stelle für das Lob und die Motivation und überhaupt.
    Und auch, wenn ich im Fall von "Anno Domini" keine guten Nachrichten habe, gibt es umso bessere bei "Zenjanischer Lotus". Ich arbeite gerade an Band 2 und Band 3 - der letzte - ist auch schon in der Planung. ;)
    Mit anderen Worten: Kommt.

    Die besten Wünsche
    Raik