Heimkehr nach Sunda

Hallo miteinander, 

 

es ist Juli geworden und damit endlich Release-Monat für Zenjanisches Feuer.

Am 24. Juli 2020 geht die Reise endlich weiter, jedenfalls für die Ebook-Freunde. Der genaue Liefertermin für den Print fehlt mir hingegen noch. (Ich versuche in diesem Posting ausnahmslos alle eure Fragen zu beantworten. Wenn also eine Info fehlt, liegt es daran, dass ich sie selbst noch nicht habe. *g*)

Ich muss sicher nicht betonen, wie sehr ich mich freue. Oder dass ich breit grinse, weil ich vorhin schon eine Rückmeldung einer Proofreaderin bekommen habe, die mir wirklich sehr viel bedeutet hat. 


Aber bevor ich euch mit den ersten "harten Fakten" zum neuen Buch bewerfe und zudem mit einer ersten kleinen Leseprobe aus dem ersten Kapitel, möchte ich noch auf eine andere Aktion aufmerksam machen:
Passend zur Veröffentlichung von Zenjanisches Feuer hat der Cursed Verlag entschieden, den Preis des Ebooks von Band 1 - Zenjanischer Lotus - für diesen Monat auf schlanke €3,99 zu senken. Wer also bisher nicht so sicher war, ob er einen Versuch sagen möchte, hat jetzt die ideale Gelegenheit, etwas Fantasyluft zu schnuppern und sich mit der Reihe vertraut zu machen. 

 

So, nun aber zu Zenjanisches Feuer:
Wir haben es mit 412 Buchseiten zu tun - ich war brav, finde ich. 
Es gibt die Ebook-Ausgabe für €8,99 und später die Taschenbuchausgabe für €14,95 (ISBN 978-3-95823-266-2). Meines Wissens nach kommt auch wieder eine Vorbestelleraktion, aber dazu äußere ich mich natürlich erst, wenn ich mehr weiß; zumal ich auch noch ein bisschen was im Hinterkopf habe, aber dazu kommen wir noch. ;)

Ansonsten kann ich nur sagen: Das Warten hat ein Ende. Und die Henkersbraut kann es nicht erwarten, euch an Bord zu nehmen. 

 


Auszug aus Zenjanisches Feuer

Kapitel 1

 

 

Vor ihm tauchten die Überreste einer ausgebrannten Feuerstelle auf, die er allzu gut kannte. Geryim zog die Oberlippe hoch und gab ein Geräusch zwischen Fauchen und Schnarren von sich. Von hier war er aufgebrochen, was mit anderen Worten bedeutete, dass sein Marsch durch die Nacht lange nicht beendet war. Er hatte gehofft, in seinem traumverlorenen Zustand weiter gekommen zu sein.

Er umfasste das inzwischen kalte Herz des Keilers fester und kreuzte die Arme vor der Brust, um seinen nackten Oberkörper zu schützen. Die Kälte gewann mit jedem Wimpernschlag an Biss. In ihrem Schatten lauerte die Verlockung, sich in den Schnee fallen zu lassen und auszuruhen. Wenn er erst einmal schlief, konnte der Frost ihn zudecken, ohne dass er Geryim erreichen konnte. Es hieß, im letzten Augenblick vor der großen Dunkelheit würde alles warm und weich. Wie eine lang ersehnte Umarmung.

Geryim drückte das Kinn auf die Brust. Es war eine andere Umarmung, nach der er sich sehnte. Und wenn er erst das Lager erreicht hatte, würde sie ihm erstmalig zustehen. Dieser Gedanke erfüllte ihn mit einer Willenskraft, die ihm selbst sein zitternder Körper nicht nehmen konnte.

Einen unbestimmten Zeitraum später spürte er ein vertrautes Ziehen in seinem Hinterkopf, eine zaghafte Anfrage, gefolgt von einem Gefühl der Erleichterung, als er das innere Tor öffnete. Syv stand ganz in der Nähe hoch am Himmel und rief Geryim zu sich. Wahrscheinlich trug sein Schrei bis an die Küste und kündigte seine Rückkehr an.

Bald, versprach er Syv wortlos. Bald ist es vorbei und dann kannst auch du dich schlafen legen.

Syv sandte ihm ein Gedankenbild seiner selbst, wie er den Kopf unter dem Flügel barg und die Federn gegen die Kälte aufstellte. Etwas Tröstliches ging davon aus.

Geryim roch das Feuer, bevor er es sah. Der Angriff des Feuerelementars auf ihre einstige Heimat lag Monate zurück und doch nicht lange genug, als dass Geryims erste Reaktion nicht aus einem scharfen Luftholen bestanden hätte. Dann lieferte sein Verstand ihm eine weit friedlichere Erklärung für den Rauch und mit ihm die Erinnerung an die Unterstände und Zelte, die die Bruderschaft auf dem kargen Grasstreifen zwischen Strand und Wald errichtet hatte.

Geryim rief seine letzten Kräfte wach und verlängerte seine Schritte. Der Boden war abschüssig und der Schnee von zahlreichen Sohlen sowie einigen Pfoten und Hufen zertreten. Jedes Mal, wenn er die Richtung anpassen musste, um einen Baumstamm zu umrunden, sprang vor ihm ein flackernder Lichtpunkt umher. Erst im Näherkommen erkannte er, wie groß das Feuer war, das sie zu seinen Ehren in den Himmel schlagen ließen. Die Brust wurde ihm eng und drohte, unter seinem Herzschlag zu bersten. Ihre Stimmen riefen ihn zu sich.

Fast geschafft.

Mit seinem Eintreten in den Lichtkreis erstarb jeder Laut. Geryim spürte die Blicke der Bruderschaft – eine Reihe dunkler Gestalten gegen den fast schwarzen Nachthimmel – auf sich ruhen und ihr Schweigen ließ ihn beinahe glauben, taub geworden zu sein.

Dann trat eine der schattenhaften Gestalten auf ihn zu. Eine bleiche Maske verdeckte ihre rechte Gesichtshälfte. Der Widerschein der Flammen tanzte über die kunstvoll in den Knochen geschnittenen Vertiefungen und erweckte ihn zu neuem Leben.

Die rituelle Frage schwebte Geryim entgegen. »Was bringst du mir, Sohn des Wargen?«

Er richtete sich auf. »Ich bringe dir das Herz meines Gegners«, erwiderte er und war überrascht, wie kräftig seine Stimme klang. Er hatte ein mattes Fisteln erwartet.

»Hast du ihn auf ehrenhafte Weise erlegt?«, fuhr der Maskierte mit der Befragung fort. Sein grauer Pelzumhang bewegte sich im selben Küstenwind, der Geryims Körper beutelte.

»Ja, bei meiner Ehre.«

»Hast du dein Leben in Gors Hände gegeben, auf dass seine Macht von dir Besitz ergreifen konnte?«

»Ja, bei der Weisheit meines Vaters und der Stärke meiner Mutter.«

»Bist du dem Tier, das man dir sandte, im selben Kleid begegnet, in dem es dir gegenübergetreten ist?«

»Ja, bei der Ehre meiner Ahnen.«

Eine mit Runen bemalte Hand nahm Geryim das Herz ab. Für einen Augenblick betrachtete der Maskierte es, als suche er nach einem Makel. Dann berührte er mit dem kalten Fleisch seine Stirn und rief: »Ich sehe und bin dein Zeuge. Ich erkenne deine Beute an. Ich erkenne deine Taten an. Du hast bewiesen, dass du den Mut besitzt, dich der Wildnis und Gors Gericht zu stellen. Du hast bewiesen, dass du ein Zelt und eine Familie ernähren kannst. Gor heißt dich in seinen Reihen willkommen und schenkt dir seinen Segen. Und so grüße ich dich, Geryim, von diesem Tag an von Mann zu Mann.«

Es waren nur Worte. Geryim hatte sie den Maskierten selbst gelehrt. Niemand von seinem Stamm war vor Ort, um seinen Eintritt ins Mannesalter zu bezeugen. Dennoch traf ihn die Verkündigung bis in den Kern und nahm ihm ein Gewicht von den Schultern, das ihn in der Vergangenheit manches Mal zu Boden gedrückt hatte.

Das Knistern des Feuers war ganz nah und über ihm ertönte das Rauschen gewaltiger Schwingen. Jemand rief etwas. Gleich darauf wurden zahllose Stimmen laut, lachten, jubelten. Auf einmal sah er sich von Gestalten umringt. Sie sprangen erst zurück, als sich ein Schatten über ihn legte und einen Augenblick später auf seiner Schulter landete.

Syv war mindestens ebenso aufgeregt wie die ihn umgebenden Menschen. Er plusterte sein Gefieder auf, breitete jedoch nur den Geryim abgewandten Flügel aus, bevor er ihm den Schnabel entgegenreckte. Die vertraute Geste entlockte Geryim ein trockenes, kraftloses Auflachen und einen stummen Dank an seinen treuen Gefährten. Syv mochte ihn nicht begleitet haben, aber er war dennoch bei ihm gewesen. Syv war immer bei ihm.

Dann waren die anderen wieder da. Sie gaben ebenso viel Wärme ab wie die Flammen. Hände berührten seine Arme, klopften ihm auf Schultern und Rücken. Er wollte sie bitten, damit aufzuhören und ihm lieber einen Umhang zu geben, doch er brachte kein Wort heraus.

Er wusste nicht, seit wann ihm die Zähne klapperten, doch nun schlugen sie so heftig aufeinander, dass sich zu all den übrigen Schmerzen ein warnendes Ziehen in den Zahnwurzeln gesellte. Das Feuer reichte nicht. Die Kälte war zu tief in ihn hineingekrochen und er war noch nie so müde gewesen.

Geryim hob in einem schwachen Versuch, sich bemerkbar zu machen, die Hände. Die Stimmen waren zu zahlreich, zu laut. Es interessierte ihn nicht einmal, ob sie ihn bejubelten oder beschimpften. Er brauchte… brauchte…

Eine Hand legte sich auf seinen ausgekühlten Arm. Jemand sagte etwas und das so überzeugend, dass es Wirkung zeigte. Sie ließen von ihm ab. Geryim spürte, wie er vorwärts gezogen wurde und wunderte sich nicht, dass er kaum länger einen Fuß vor den anderen setzen konnte. Ob sie das Herz den Flammen überantwortet hatten, wie es sich gehörte?

Eine Zeltplane hob sich. Er kämpfte mit dem Gleichgewicht, als er sich unter ihr hindurchschob. Dann schloss sich der Eingang hinter ihm und sperrte die Welt aus.

Geryim sackte nach vorn. Er landete auf den Knien und dicht neben einer weiteren Feuerstelle, die das niedrige Zelt zuverlässig aufgeheizt hatte. Das plötzliche Fehlen des Windes, die Erkenntnis, wie durchgefroren er war, löste neue Schmerzen aus.

Neben ihm bewegte sich etwas. Ein Umhang fiel zu Boden, aber Geryim konnte seine Hände nicht überreden, nach ihm zu greifen. Dann kauerte jemand an seiner Seite. Es war der Maskierte. Er hielt Geryim mit einer Hand einen Laib Brot entgegen, während er mit der anderen am eigenen Hinterkopf nestelte. Als die Maske fiel, hatte Geryim bereits die Zähne in das Brot geschlagen.

Sothorn lächelte, aber es lagen nicht nur Freude und Erleichterung in seinen dunklen Augen. Die offenkundige Sorge ließ Geryim zum ersten Mal einen Blick auf seinen Oberschenkel werfen. Die Wunde war die einzige heiße Stelle an seinem Körper.

»Was war es?«, fragte Sothorn trügerisch leise. Vermutlich ein Versuch, seine Anspannung zu verbergen.

»Ein Keiler.« Ruppig riss Geryim das Brot in zwei Hälften und grub mit den Fingern im weichen Kern.

Sothorn nickte mit zusammengepressten Lippen. »Er hat dich erwischt.«

»Ja.«

»Lass mich danach sehen. Es sei denn, ich soll lieber Szaprey oder Lilianne…«

Geryim schüttelte den Kopf. Er wollte keinen der anderen um sich haben. Nicht in dieser Nacht.

Während er sich einen Bissen Brot nach dem anderen in den Mund stopfte und damit endlich das Fasten brach, drückte Sothorn ihn auf den Rücken. Dann nahm er sich der Wunde an. Mit behutsamen, wenn auch ungeschickten Bewegungen reinigte er sie und legte einen leichten Verband aus sauberem Leinen an. Er musste auch eine Salbe dazugegeben haben, denn auf einmal lag ein blumiger Geruch in der Luft und überforderte Geryims nach wie vor eiskalte Nase.

Als seine taubgefrorene Haut zu neuem Leben erwachte, nahm das Zittern zu. Er fühlte sich hilflos angesichts der krampfartigen Wellen, die ihn erfassten. Sothorns warme Hände bildeten seinen einzigen Halt. Mit ihnen kam die Erinnerung an das, was Geryim sich von dieser Nacht erhofft hatte.

Erstaunt fragte er sich, warum er nicht glücklicher war. Es war ihm gelungen. Er war nun ein Mann. Dass Sothorn in dieser Nacht bei ihm blieb, dass sie ein Zelt teilten, war nicht länger etwas, das ihn vor Schuldgefühlen verzehren musste. Und doch… Würde es je genug sein?

Für den Moment schon, befahl Geryim sich. Er hatte es sich verdient. Er hatte sich Sothorn verdient.

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Kommentare: 2
  • #1

    Piccolo (Donnerstag, 02 Juli 2020 09:18)

    Hey Raik,

    ich freue mich riesig auf das Buch. Für Leseprobe fehlt mir jetzt gerade die Zeit, aber ich weiß ja, dass das Buch großartig wird.

    LG Piccolo

  • #2

    Piccolo (Donnerstag, 02 Juli 2020 18:11)

    Eine tolle erste Leseprobe. Ich bin sofort wieder mitten im Geschehen und kann es kaum erwarten, bis ich das ganze Buch lesen darf. Allerdings werde auf die Vorbestellaktion zum Taschenbuch warten. So viel Zeit und Vorfreude muss sein.

    LG Piccolo